Oliver Karius ist Partner der LGT Venture Philantropy, wo er in einem unternehmerischphilanthropischen Ansatz sowohl Not-for-profit als auch For-profit Organisationen speziell in Entwicklungsländern unterstützt, in den Bereichen „Linderung menschlichen Leidens,“ „Ausbildung“ und „Aufbau eines nachhaltigen Lebensunterhalts“ aktiv zu sein. Die Förderung erfolgt durch das Bereitstellen von Kapital, Erfahrung, strategischer Unterstützung und Zugang zu relevanten Kontakten und Netzwerken. Sein Leben führt Oliver Karius sehr bewusst. In regelmässigen Abständen wägt er genau ab, wo und wie er seine Lebenszeit am effektivsten einsetzen kann. Daneben ist er ein guter Freund der studienaktie.org Familie und Anstifter zur Internationalisierung.

studienaktie.org: Herr Karius, Sie kennen studienaktie.org seit über zwei Jahren und verfolgen die Herausforderungen und die Weiterentwicklung des gemeinnützigen Vereins mit. Was halten Sie von studienaktie.org?
Oliver Karius: Mir gefällt das Konzept von studienaktie.org sehr gut: auf innovative Art und Weise wird Menschen Zugang zu Bildung ermöglicht. Drei Punkte möchte ich besonders hervorheben: Zum einen spricht mich das grosse Potenzial an, das in der langjährigen Vertrauensbeziehung zwischen Aspirant und Mentor angelegt ist. Diese starke Bindung kann beidseitig einen grossen Nutzen bringen. Auch das Prinzip der Nachhaltigkeit finde ich sehr wichtig: Die Aspiranten nehmen die erfolgreiche Umsetzung des Studiums selber in die Hand. Natürlich entsteht mit dem Eingehen des Darlehensvertrags ein gewisser Erwartungsdruck, aber dem Aspiranten steht auch viel Unterstützung zur Verfügung, die ein ganz anderes, zielgerichteteres und reflektierteres Studieren ermöglicht. Schliesslich birgt studienaktie.org in meinen Augen ein grossen Potenzial zum Aufbau eines starken Alumni-Netzwerks auch über europäische Grenzen hinaus.
Sie sehen das Potenzial von studienaktie.org vor allem in einer Internationalisierung. Warum?
Besonders Entwicklungsländer haben einen sehr hohen Bedarf an gut ausgebildeten Leuten – Bildungsfinanzierung bleibt dabei aber eine der grössten Herausforderungen, vielleicht eine der grössten des 21. Jahrhunderts. Deshalb denke ich, dass das Modell Studienaktie in dieser Hinsicht ein sehr grosses Potential hat. Natürlich stellt sich dann die Frage: Wie soll eine Replikation des Modells in anderen Ländern aussehen? Dazu muss man sich zuerst überlegen, inwiefern die jetzige Struktur replizierbar ist, ob lokale Partner den Aufbau des Modells unter einheitlichem Namen übernehmen könnten, und so weiter.
Am forum studienaktie 09 werden Sie einen Workshop zum Thema „Sich selbst führen als Lebensherausforderung: Nutzen, Methoden, Instrumente“ halten. Worum geht es dabei?
Im Workshop werde ich aufzeigen, wie man herausfinden kann, wie man sein Leben gestalten kann. Dazu muss man zuerst einmal einen Schritt zurück treten und sich fragen, was für einen im Leben wichtig ist und was man eigentlich erreichen will. Die Beantwortung erfolgt dann anhand dreier Unterfragen: Was sind meine Talente und Interessen? Was sind meine Werte und Visionen? Wie stelle ich mir mein Arbeitsumfeld vor? Auf diese Art kann man sich einen einfachen Referenzrahmen erstellen um damit die Möglichkeiten in seinem Leben abzuwägen. Dann beginnt man damit ganz konkret sein Leben zu planen und sich z.B. zu fragen, welche Ausbildung einen zum Wunschberuf führt. Und mit Wunschberuf meine ich eine Arbeit, die einen erfüllt, bei der Sinn und Gewinn in Einklang stehen, und die einem daher keine Energie raubt, sondern einen vielmehr beflügelt.
Ergibt sich dann die Wahl des Bildungswegs als logische Folgerung aus der Beantwortung der Fragen?
Nicht zwingend, aber ich glaube, wenn man diese Fragen für sich beantwortet hat, lässt sich vieles daraus ableiten und das Bild wird klarer. Dazu möchte ich noch anmerken, dass die Wahl des Bildungsweges zweifelsohne wichtig ist und reflektiert erfolgen sollte. Die Idealsituation ist wenn Bildung die Berufung unterstützt. Als Süd-Afrikaner, der in England studiert hat, begrüsse ich den angelsächsischen Ansatz – in vielen Fällen ist Bildung ein Mittel zum Zweck, um den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Die Reise geht dann erst richtig los! Im heutigen dynamischen Arbeitsmarkt ist vor allem die Übertragbarkeit von Fähigkeiten zentral. So kann man in einem Philosophiestudium erworbene Fähigkeiten wie analytisches Denken beispielsweise auch in der Unternehmensberatung einsetzen. Schliesslich gehört zur Wahl des richtigen Bildungsweges auch die Berücksichtigung der inneren Werte. Wenn man diese später im Berufsleben umsetzen kann, führt dies langfristig eher zu einem erfüllten und glücklichen Dasein.
Barbara Meili
Menschen bei studienaktie.org